Stand By Me Lesvos

Moria: Wo Europa Stirbt und Menschen ums Überleben Kämpfen | tatsachen.at

„Wir warten hier aufs Sterben“, sagt er und ich höre, wie er für einen Moment um die Festigkeit seiner Stimme ringt. Eine Sekunde oder zwei ist es still in der Leitung, dann hat er sich wieder gefangen. Wie, weiß ich nicht, mir fehlen längst die Worte. Raed AlObeed findet sie, immer und immer wieder. Auch jetzt im Gespräch mit mir, trotz der Müdigkeit am Ende eines weiteren Tages voller Anstrengung, in diesem Kampf gegen Verzweiflung, Wut, Trauer und Angst. Es ist Abend, wir telefonieren, ich sitze auf der Couch meiner warmen Wohnung, er in einem Zelt in den Hügeln um Moria, dem überfüllten Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesvos. Seit die Corona-Pandemie die Insel erreicht hat, leben die Bewohner*innen des Lagers in noch größerer Furcht als bisher. Raed weiß: „Wenn hier Covid-19 ausbricht, bedeutet das eine unvorstellbare Katastrophe.“ Und er setzt hinzu: „Aber niemanden kümmert das.“ Deshalb haben er und andere Geflüchtete Mitte März das Moria Corona Awareness Team gegründet und versuchen seither, mit kaum vorhandenen Mitteln die Menschen über die Gefahren von Corona aufzuklären und einfachste Schutzmaßnahmen zu organisieren. Doch die Zeit läuft, ihre einzige Chance ist und bleibt die Evakuierung des Lagers. Daher fordern und appellieren sie: „Vergesst uns nicht! Holt uns endlich hier raus!“

    

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